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Haerbin-Reise

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Zusammenfassung:

Dies hier ist mein Reisebericht für meine gemeinsame Reise mit Manu in den Norden Chinas im Januar 2005. Obwohl wir dabei ursprünglich nur nach Haerbin wollten, sind wir dabei noch durch Tianjin, Jilin, Shenyang und Dalian gereist. Wir waren zwölf Tage unterwegs.

Manu und ich hatten beschlossen, zusammen den Norden Chinas zu bereisen. Der Plan existierte schon länger, hatten wir doch seit Anfang Januar schon Ferien und der Wunsch, mal wieder aus Nanjing raus zukommen, war groß. Da wir aber beide noch arbeiten mussten, waren wir zeitlich auf zwei Wochen beschränkt; aus selbigen Grund sind wir auch nicht, wie anfangs geplant, mit Tobi zusammen gefahren - er wollte früher und länger fahren, als wir Zeit hatten. Jedenfalls hatten wir schon seit einiger Zeit die Idee, in den Norden zu fahren, um uns Haerbin und dessen berühmtes Eisfest anzusehen. Die weiteren Ziele wurden dann eher spontan festgelegt. Wiedermal reisten wir kurz vor den nationalen Ferien (siehe Chongqing-Chengdu), diesmal war es aber das Frühlingsfest, welches unsere Geduld strapazieren sollte..

Zur besseren Orientierung gibt es eine Karte, auf der ich die Reiseroute eingezeichnet habe. Wir sind in Nanjing gestartet, dann über Land Richtung Norden über Tianjin bis nach Haerbin gereist; von dort aus ging es direkt nach Süden über Jilin, Shenyang und Dalian, in dem wir ein Schiff nach Yantai genommen haben, von wo aus wir nach Nanjing zurückkehrten.

Naja, jedenfalls ging's dann abends am Sonntag, den 23. Januar 2005 endlich los. Wir hatten einen späten Zug erwischt, so daß wir noch fast den gesamten Sonntag in Nanjing hatten. Von dort aus ging es im Hardsleeper (die günstigere Schlafwagenklasse) nach >>Tianjin, eine ehemalige Hafenstadt auf der Höhe von Beijing.

Montag, 24. Januar


Abendliche Straßenszene in Tianjin.
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Dort angekommen, quartierten wir uns erstmal im Studentenwohnheim der örtlichen Universität ein, der Tianda. Jedenfalls versuchten wir das, nachdem wir ewig über den riesigen Campus der Nankai Daxue, der daneben liegenden Uni, und der Tianda gelaufen waren (und es immer noch nicht gefunden hatten) nahmen wir erstmal entnervt ein Taxi. Diese chinesischen Unis sind, genauso wie die Städte, immer so unglaublich riesig! Der Taxifahrer brauchte auch noch eine ganze Weile, dieses dämliche Studentenwohnheim zu finden, letztendlich sind wir dann aber gut angekommen. Das Studentenwohnheim war im Vergleich zu unserem edel, aber auch teuer.

Froh, unser schweres Gepäck loszuwerden, machten Manu und ich uns gleich auf, die Zugkarten nach Haerbin zu besorgen. Sobald man in China in eine neue Stadt kommt, besorgt man sich zuerst mal die Anschlusstickets. Das ist auf Grund einer Besonderheit des Fahrkartensystems so: man kann immer nur Karten kaufen, die von dem momentanen Ort irgendwo hin führen.

Ein Eisfischer auf dem zugefrorenen Fluss von Tianjin.
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Ich kann also in Nanjing keine Karte von Tianjin nach Haerbin kaufen, das geht erst, sobald ich in Tianjin bin. Wenn man nun versucht, während einer Hauptreisezeit mit dem Zug zu fahren, kommt man oft in Schwierigkeiten: viele Strecken sind schon längst ausverkauft, wenn man gerade erst in der Stadt ankommt.

Deswegen ist auch immer die erste Aufgabe, Zugfahrkarten zu besorgen - die uns an dem Tag erstaunlicher Weise auch gelang. Als ich am Bahnhof nach Karten Richtung Haerbin fragte gab es sogar noch welche. Darüber war ich so froh, das ich sie einfach kaufte - ohne nach Details wie Klasse oder Uhrzeit zu fragen. Mal wieder eine grandiose Idee des Arne B., da uns dies eine Fahrt im Hardseat (der unbequemsten Klasse mit senkrechten Sitzlehnen) gen Norden einbrachte - siebzehn Stunden lang. Aber vorher hatten wir noch Tianjin vor uns.

An dem Abend haben wir dann nichts mehr groß unternommen: da wir so spät angekommen waren, dämmerte es schon kurz nach dem Kartenkauf, außerdem war mir (da ich ein wenig am kränkeln war) andauernd kalt, so daß wir uns früh in unsere Zimmer zurückzogen.

Dienstag, 25. Januar


Der Kontrast zwischen den alten europäischen Häusern und der modernen Skyline ist groß.
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Morgens sind wir dann direkt mit dem Bus nach Norden gefahren, um uns ein "chinesisches" Viertel anzusehen. Dies war auch wirklich ganz nett - halt ein typisches, leicht tristes und durch kommunistische Zweckbauten geprägtes Wohnviertel, inklusive Morgenmarkt zwischen den Häusern. Von dort aus gingen wir erstmal zum Fluss, wo wir ein paar Eisfischer und, am anderen Ufer, eines der europäischen Viertel entdeckten.

Tianjin zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß es früher ein wichtiger Hafen war. Es liegt zwar nicht direkt am Meer, dafür aber kurz hinter dem Delta des Huang He, des gelben Flusses. Der führt vom Meer nach Beijing, wodurch Tianjin früher einmal einer der wichtigsten Handelszentren von China war. Seit der Versandung des Flusses wird Tianjin allerdings nicht mehr als Überseehafen genutzt, diese Rolle spielt inzwischen Tangu, das direkt am Meer liegt. Im zweiten Opiumkrieg erzwangen die Briten und Franzosen eine Öffnung des Hafens für den internationalen Handel; Tianjin wurde eine Sonderwirtschaftszone (ähnlich wie Shanghai). Kurze Zeit später etablierten auch die Russen, Japaner, Deutsche und andere in Tianjin ihre Handelsstützpunkte, so daß es über das ausklingende 19. Jahrhundert einer der wichtigsten Häfen für den Handel mit Europa war - was es heute noch so reizvoll macht.

Frisöre am "italienischen Platz".
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Man kann durch Tianjins Straßen laufen und italienische, englische oder deutsche Architektur finden, es gibt ganze Viertel die noch aus der Kolonialzeit stammen - leider werden es immer weniger. Die meisten, ehemals schönen Häuser sind nämlich heruntergekommen und zerfallen (oft wurden sie einfach von mehreren Familien als Wohnung benutzt), der Kommunismus hat auch hier keine Gnade walten lassen. So trafen wir auf ganze Viertel, die dem Erdboden gleichgemacht wurden; nur einzelne "Perlen", alte, große Herrenhäuser, wurden offensichtlich für wohlhabende Leute instand gesetzt. Es war sehr schade, dies zu sehen, vor allem gab es einem das Gefühl, beim "Sterben" einer Stadt dabei sein zu können. Ich bin mir sicher, daß dieses Viertel jetzt schon von gesichtslosen Betonbunkern bevölkert wird, welche das neue Tianjin wie jede andere chinesische Stadt aussehen lassen.

Die alten europäischen Viertel werden größtenteils abgerissen.
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Es war aber noch erstaunlich, wieviel der alten Architektur unerwartet an den Ecken und Straßen auftauchen konnte; einiges war sogar liebevoll restauriert worden - so bleibt die Hoffnung, daß Tianjin etwas von seinem Charme bewahrt. Wir genossen jedenfalls den Hauch von Europa und den ersten Eindruck vom Winter in Chinas Norden.

Am späten Nachmittag ging es dann schon los, immer nach Norden, gen Haerbin. Mir graute ziemlich vor der Fahrt, sind doch manchmal schon die vierstündigen Fahrten im Hardseat nach Shanghai eine Geduldsprobe - zu enge Sitze für meine langen Beine, zu viele Leute, die in einer enormen Lautstärke hektisch vor sich hin schnattern (ja, auf Chinesen passt "schnattern" wirklich am Besten)..

Herstellung der typischen chinesischen Rundkohlen.
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Die Fahrt war dann aber doch erstaunlich erträglich, der Abend zog schneller vorüber als gedacht. Leider war unser Zug ein wenig undicht, so daß es konstant auf Manu tropfte, die Chinesen hatten aber eine sehr patente Lösung am Start: "warte einfach, bis wir nach Norden kommen, dann friert hier eh alles zu - da tropft nix mehr". Urheber dieser Weisheit war ein Richter, der mit seinen Genossen nach Hause, in die Provinzhauptstadt Changchun fuhr - ein paar Stunden südlich von unserem Ziel. Es dauerte auch nicht lange, bis wir von der Truppe auf Bier, Wurst und sonstiges eingeladen wurden; die sehr neugierigen Chinesen (wir waren mal wieder das Highlight des Waggons) waren ein Grund dafür, daß die Reise doch schneller vorüber ging, als befürchtet. Ich kam sogar ein wenig zum Schlafen, was ob der Position der Sitzlehnen und der damit verbundenen Unmöglichkeit, sich irgendwo anzulehnen, eigentlich an ein Wunder grenzt.

Mittwoch, 26. Januar


Sankt Sophia Kathedrale in Haerbin.
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Nach einem sehr schönen Morgen, der uns eine glitzernde Sonne über eisigen Landschaften bescherte (Schmalz lass nach ;) liefen wir endlich in >>Haerbin ein. Am Bahnhof schlug uns die Kälte ins Gesicht, der doch sehr eisige Wind schnitt in die Haut und ließ die Augen tränen - und trotzdem hatten wir es uns schlimmer vorgestellt. Aber was nicht war, sollte ja noch werden; zuerst einmal machten wir uns daran, ein Hotel zu finden. Dies war auch nicht weiter schwer, man kann nämlich in China ganz im Gegensatz zu Indien und anderen Ländern bedenkenlos den "Werbedamen" am Bahnhof zu ihren Hotels folgen. Man bekommt auf diese Weise wesentlich günstigere Zimmer als wenn man sich selbst darum kümmert, meist liegen die Preise deutlich niedriger als angeschrieben.

So kamen wir auch zu unserem Hotel; direkt am Bahnhofsplatz und damit ideal gelegen, um als Basis für unsere täglichen Erkundungen zu dienen. Sobald man die Schlepper davon überzeugt hat, daß man definitiv keine Tour von ihnen haben möchte ("nein, auch nicht wenn es viel billiger ist, und es mit 20 Chinesen zusammen vieeel mehr Spaß macht"), kommt man trotz der Touri-Hauptsaison in den Genuss einer sehr günstigen Unterkunft direkt im Zentrum.

Chinesische Arbeitsmethoden: zwanzig Leute kratzen von Hand das Eis von der Straße.
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Genau dorthin haben wir uns dann auch aufgemacht: wir haben uns am ersten Tag den "historischen Kern" von Haerbin angesehen. Dieser ist sehr schön, besteht er doch noch aus vielen Bauten aus der russischen Ära. Das moderne Haerbin wurde nämlich von den Russen während dem Bau der ostchinesischen Eisenbahn gegründet, so daß die Stadt noch voller alter, russischer Häuser ist; die Haupteinkaufsstraße und die darum liegenden Gassen werden vornehmlich von Gebäuden aus der Gründerzeit flankiert - richtig schön ist es da, vor allem im Kontrast zu den üblichen chinesischen Beton-Stahl-Glas-Bauten.

Haerbin trägt auch den Spitznamen oriental Moskow; wegen des langen und kalten Winters ist es aber auch als ice city bekannt - die Temperaturen in der Gegend gehen schnell mal unter Minus 20°, so daß man sich da oben warm einpacken muss. Bemerkenswert ist, daß die Einwohner von Haerbin aus einem härteren Holz geschnitzt zu sein scheinen: selbst bei beißenden Minusgraden trugen die wenigsten dort Mützen, einige verzichteten sogar auf Handschuhe - wahrscheinlich hatten die alle genügend Schnaps intus, um die Kälte ignorieren zu können. Wir haben den ersten Tag in der Kälte jedenfalls ganz gut überstanden; wenn man alle zwei bis drei Stunden sich irgendwo aufwärmen geht, ist es wirklich aushaltbar. Auf meine lange Unterhose und den chinesischen Armeemantel, den ich mir noch in Nanjing gekauft hab, hätte ich allerdings nicht verzichten wollen.

Donnerstag, 27. Januar


Der Nachthimmel über dem Fluss.
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Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden, um den Sonnenaufgang über dem zugefrorenen Fluss von Haerbin, dem Songhua He, zu sehen. Ein etwas komischer Taxifahrer brachte uns in der Dunkelheit zu den Uferpromenaden, wo wir die Kälte zum ersten Mal so richtig zu spüren bekamen: ohne Sonne, mit dem Wind vom Fluss und der Nachkälte lag die Temperatur sicher bei Minus 25°, der Wind schien einem dann wie tausende kleine Messer in die Wangen zu schneiden, der Atem bildete Eiskrusten am Schal. Aber toll war es trotzdem, solche Kälte mal zu erleben! Apropos Thema Kälte: Haerbin liegt ungefähr so weit nördlich wie Venedig. Wirklich war! Falls also irgendwann mal der Golfstrom versiegen sollte, sind wir in Mitteleuropa echt im Arsch...

Der Sonnenaufgang spiegelt sich im Eis.
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Wir sind dann einige Zeit auf den zugefrorenen Fluss gelaufen, bis die Sonne langsam die Dunkelheit vertrieb. Kleiner Denkfehler bei unserem grandiosen Plan: die Stadt liegt vom Fluss aus gesehen im Südosten, so daß die Häuser die aufgehende Sonne komplett verdeckten - dümmer gehts nimmer. :) Leider war es so kalt, daß meine Batterien in der Kamera versagten und ich nach ner halben Stunde kein einziges Foto mehr machen konnte; dieser Umstand sollte mich die ganze Reise über noch plagen. Aber der Morgen auf dem Eis war trotzdem schön: die Aussicht über die Eiswüste am Fluss, die Chinesen, die alle 'nen Knall haben (die machen bei finsteren -25° um sechs Uhr morgens Tai Chi und joggen da rum!) und die klare, eiskalte Luft waren es wert, sich um kurz nach fünf aus dem Bett zu quälten.

Ein eingefrorener Kahn am Fluss.
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Genau dahin haben wir uns dann aber wieder verzogen, um ein wenig Schlaf und Wärme zu tanken. Nachmittags wollten wir dann zum Eisfest aufbrechen, leider sollte uns dies am ersten Tag nicht gelingen. Das Eisfest war ursprünglich die Hauptmotivation, nach Haerbin zu kommen. Jedes Jahr im Winter wird nämlich an der anderen Seite des Flusses eine Stadt aus Eis gebaut; berühmte Gebäude, Sagengestalten und andere Motive werden aus dem Eis geschnitten, bunt beleuchtet und von Mitte Januar bis Mitte Februar den staunenden Tourischar vorgeführt. Dort wollten wir jedenfalls hin, leider stellte es sich als erstaunlich schwierig heraus, das Eisfest zu finden: die Informationen im Reiseführer waren ehrlich gesagt dürftig, nachfragen half auch nicht viel. Letztendlich wurden wir dann von ein paar Pferdetreibern abgezockt: für zehn Kuai sollten wir mit einer Kutsche zum Eisfest gefahren werden, allerdings wurden wir nur hundert Meter über das Eis gekarrt und dort an einer Brücke über den Fluss abgesetzt - grandios, vor allem
Wachtrupp in der Innenstadt (ich habe nicht herausfinden können, was sie da bewachen.
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weil die Frauen unsere Verständigungsschwierigkeiten so schamlos ausgenutzt hatten. Wir hatten denen eigentlich schon klar gemacht, wo wir hin wollten. Naja, nicht weiter schlimm, aber es ärgert einen im Nachhinein dann doch ungemein. Dies war aber (bisher) das einzige Mal in China, daß ich so dreist abgezockt wurde!

Wir kamen auf jeden Fall an diesem Tag nicht mehr bis zum Eisfest, am anderen Ende der Brücke lag nur ein großer, ausgestorbener Park, den wir auch erst mit dem Einbruch der Dämmerung erreichten. Wir sind danach dann einfach nach Hause gegangen und haben das Eisfest auf den nächsten Tag verschoben..

Freitag, 28. Januar


Manu ganz verfroren (mit Eiskruste am Schal :)
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Den Vormittag verbrachten wir im Bus: Rundfahrt auf die Billige, Stadtbus bis zur Endhaltestelle und ne andere Linie zurück - leider gab es dabei keine Offenbarungen: außerhalb der Innenstadt ist auch Haerbin "nur" eine chinesische Stadt, Beton und Mietskasernen, Schilder und Industriebetriebe, Restaurants und kleine Läden, langsam kennt man ja das Muster.

Danach machten wir uns erneut zum Eisfest auf, wiedereinmal sollte es eine Weile dauern, bis unsere Versuche zum Erfolg führten: erst nahmen wir die Seilbahn über den Fluss, welche uns wieder in dem verlassenen Park absetzte, danach erwischten wir (nach dem uns ein Shifu netterweise ein Stückchen in seinem kleinen Wägelchen mitgenommen hatte) zwar den richtigen Bus, verplanten aber, an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Am Ende stellte sich heraus, daß man einfach einen regulären Stadtbus (Linie 2) zum Eisfest nehmen konnte - Kostenpunkt: ein Kuai. Alles in allem haben wir es erst im vierten Anlauf geschafft, zum Eisfest zu gelangen und außerdem dabei über dreißig Kuai verschwendet - irgendwie fühlten wir uns mit der Zeit latent unfähig. :)

Die Gruppe Taubstummer. Der Herr in der Mitte der unteren Reihe grüßt mit einem typischen Gebärdengruß, der 'I love You' bedeutet und seinen Respekt ausdrücken soll. Seine Hand symbolisiert die Anfangsbuchstaben I.L.Y.
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Aber sowas gehört ja zum Reisen dazu - uns brachte es eine der faszinierendsten Bekanntschaften der Reise ein: im Bus trafen wir auf eine Gruppe Taubstummer, die uns durch ihre enorme Ausdrucksfähigkeiten beeindruckten. Es ist faszinierend, wie stark deren Gesten und Bewegungen waren! Ich habe sie echt gut verstanden und, was mich am meisten überraschte, konnte mich selbst erstaunlich gut ausdrücken. Die fast zwanzig minütige Fahrt habe ich so sehr genossen; das Gespräch mit den Taubstummen blieb bemerkenswerter Weise das umfangreichste und interessanteste der Reise.

Der große Hauptturm.
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Blick von oben über das Eisfest.
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Sozialistische Schneekunst.
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Drachen aus Eis.
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Als wir auf dem Eisfest ankamen, setzte starker Schneefall ein - durch den Schneevorhang wirkten die beleuchteten Eisskulpturen noch märchenhafter. Diese bilden meistens bekannte Gebäude oder Sagengestalten nach, dabei ist es beeindruckend, wie groß die Bauten teilweise waren - der Turm in der Mitte des Geländes war jedenfalls sauhoch, hoch genug das sich seine Spitze in der Dunkelheit verloren hätte, wäre sie nicht angestrahlt worden. Leider weiß ich immer noch nicht, ob es sich dabei um ein Phantasiegebilde (des Erbauers :) handelte oder es ein wirkliches Gebäude darstellte. Viele der Eisgebäude hatten Motive aus Frankreich, so konnten wir den Pariser Bahnhof und eine Menge andere uns unbekannte Bauten aus der französischen Provinz betrachten. Der Grund dafür war wohl, daß Carrefour einer der Hauptsponsoren des Festes war - weiß jemand, ob es so eine Art von "Kultursponsoring" (bestes Denglisch hier mal wieder) auch von Deutschland gibt? Ich hätte mich jedenfalls gefreut, das Brandenburger Tor aus Eis erbaut zu sehen, notfalls hätte ich mich auch mit dem Frankfurter Bahnhof zufrieden gegeben (maßstabsgetreu inklusive Drogenstrich)..

Hmm, leckor!
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Das Eis wurde von innen bunt beleuchtet, zwar in typischem China-Kitsch in rotgelben Neonfarben, aber zusammen mit dem dicken Eiswänden sah es doch sehr beeindruckend aus. Die Dunkelheit mit dem Schneefall, die Lichtinseln der
Ich teste das Kinder-Eislabyrinth (und muß dabei natürlich weiter von meinem Tanghulu naschen)..
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Essensstände in der Kälte, die aus Schnee erbauten Figuren, die Stimmung, die ganze Atmosphäre war erstaunlich schön - ich bin echt froh, das wir da noch hingefahren sind. Es gab auch viele andere "Attraktionen" wie Bobfahren, diverse Eisrutschen runterrutschen oder auf Schneemobilen fahren - leider alles zu gesalzenen Preisen. Ich war echt froh, daß es zumindest für den Eintritt ein Studententicket gab, so kamen wir für die Hälfte des normalen Eintrittspreises da rein. Nach ein paar Stunden sind wir dann kalt und zufrieden in unser Hotel zurückgekehrt..

Samstag, 29. Januar


In China essen sie Hunde..
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Am Samstag Morgen sind wir dann früh morgens mit dem Bus nach >>Jilin gefahren. Dort sollte es eine besondere Attraktion geben: oberhalb des Flusses, der durch die Stadt fließt, liegt ein Wasserkraftwerk. Dieses erhitzt das Wasser derart, daß jeden Morgen der aufsteigende Dampf an den Bäumen am Ufer friert - und die Äste aussehen lässt, als wären sie mit Zuckerguss umhüllt. Unser Plan war, früh morgens nach Jilin aufzubrechen, den Tag über in der Stadt zu verbringen (außer den Bäumen gab es dort nicht so viel zu sehen) und Abends gleich weiter nach Shenyang zu fahren.

Eine Händlerin auf dem lokalen Markt, die gerade Sesamöl macht.
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Leider haben sich die Leute vom "Lonely Planet" mal wieder selbst übertroffen, stand doch zu den ice rimmed trees folgender Ratschlag: "am besten sehen die eisverkrusteten Bäume am Morgen aus" - wie wahr, erklärten doch die Einwohner von Jilin uns zwei laoweis, daß man das Eis nur in den frühen Morgenstunden sieht; danach schmilzt das Eis wieder und das Schauspiel ist für diesen Tag gelaufen. Da wir Bäume ohne Eiskruste schon ganz gut kannten waren wir ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht. Bisschen schade das Ganze, aber auf so einer Reise geht nun mal nicht alles glatt. Dankenswerter Weise blieb dies auf unserer Fahrt das einzige "Unglück", so daß wir von wirklichen Katastrophen verschont blieben.

Verkäuferinnen in einer Fleischmarkthalle.
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Den Rest des Tages verbrachten wir auf den Staßenmärkten und zum Aufwärmen im McDonalds. Dort trafen wir auf ein super liebes Mädel, die sich uns mit Cici vorstellte; sie war sechs Jahre alt und sprach besser Englisch als die meisten Erwachsenen die man so an der Uni trifft. In China lernen nämlich viele Leute jahrelang Englisch, können aber aufgrund fehlender Sprachpraxis kaum ein Wort reden. Hier war das anders, die Kleine hatte schon seit dem sie drei war Privatunterricht. Viele wohlhabenderen Eltern bezahlen Privatlehrer für ihre Kinder, was auch der Grund dafür ist, daß die meisten der Ausländer zum Englischlehrer sind - wobei es egal zu sein scheint, wie gut man nun Englisch spricht, Hauptsache laowei. Nachdem wir uns echt lange mit ihr unterhalten haben (die war echt niedlich) und sie uns sogar ein Hello-Kitty-Puzzle geschenkt hat, sind wir dann mit dem Zug weiter nach Shenyang gefahren.

Sonntag, 30. Januar


Eishände auftauen.
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Dort kamen wir früh morgens um fünf Uhr an, so daß wir uns nach dem Einchecken direkt mal wieder ins Bett gepackt haben. >>Shenyang liegt in der Provinz Liaoning, es war Anfangs die Hauptstadt der berühmten und letzten Dynastie von Kaisern, der >>Qing. Diese sind aus den Warlords der Manschurai hervorgegangen, eroberten Anfang des 17. Jahrhunderts China und herrschten bis zum Einfall der Europäer uneingeschränkt über das Gebiet. Anfangs lag die Hauptstadt dieses Riesenreiches noch in Shenyang, später wurde sie ins weiter südlich (und damit in der Mitte des Reiches) gelegenen Beijing verlegt.

Freund Mao ist immer bei uns.
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Sonnenuntergang über den Nordgrab.
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Postkartenmotiv im Park vom Grab (wenn man übersieht, daß es sich bei dem Gebäude um die Toilette handelt.. ;)
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In Shenyang sind die Qing (beziehungs- weise ihr Erbe) noch omni- präsent; am ersten Tag gondelten wir durch die verschiedenen Stadtviertel, schauten und nach dem Zugkartenkauf die Reste der alten Architektur an und besuchten dann das Nordgrab der alten Qingkaiser. Dieses ist erstaunlich groß, leider gab es außer den Gebäuden an sich nicht viel zu sehen, was für den Eintrittspreis (36 元) doch ein wenig arm war. Ärgerlich ist vor allem, daß es in ganz Shenyang keine Studentenermäßigungen gibt - wer sich alles anschauen will, muss ordentlich blechen.

Montag, 31. Januar


Tropfsteinhöhle in Benxi.
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Am darauf folgenden Tag sind wir mit dem Bus in das ungefähr zwei Stunden entfernte Benxi gefahren, wo es eine berühmte Tropfsteinhöhle geben sollte. Der Busfahrer am Bahnhof schien auch zu wissen wovon wir redeten, jedenfalls nahm er uns mit und setzte uns mitten im Nirgendwo ab. Etwas ratlos an einer Landstraße in den verschneiten Bergen stehend sind wir einfach mal zum nächsten Gebäude gelaufen - und siehe da, wir waren genau richtig. Das Ganze war nämlich nur halb so verlassen wie es aussah, alle Chinesen hatten sich ob der Kälte in ihre warmen Büros (beziehungsweise Kartenhäuschen) verkrochen. Nachdem wir ein buntes Spektrum an Eintrittskarten erstanden hatten (irgendwie gab es fünf verschiedene, die aber alle an dem selben Eingang abgerissen wurden) machten wir uns auf der Suche nach der Höhle selbst. Diese war von außen erstaunlich unscheinbar und verlassen, drinnen aber angenehm warm und vor allem groß.

Manus Experimente mit der Langzeitbelichtung: Ich vorne im Boot auf der Fahrt durch die Höhlen.
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Nachdem wir ein kurzes Stück zwischen den Tropfsteinen zu Fuß zurücklegten (und uns dabei über die teilweise sehr phantasievoll arrangierten Dinosaurier-Plastikmodelle amüsierten) kam man in eine große Höhle, in der es ganz James-Bond-mäßig einen Hafen, Landungsstege und sogar einen großen Kran gab. Dort stieg man in ein Boot, mit dem man dann durch die von einem unterirdischen Fluss durchzogenen Tropfsteinhöhlen gefahren wurde. Das war echt schön und interessant, die verschiedenen Tropfsteine wurden meist bunt angestrahlt und waren vor allem durch das milchige Wasser oft sehr eindrucksvoll. Unser Bootsführer fuhr zwar immer etwas zu schnell, mit einem gelegentlichen man man zou konnte man ihn aber zumindest zu kurzen Fotopausen bewegen. Alles in allem war es sehr schön dort, nur waren wir mächtig froh, im Winter dort gewesen zu sein: im Sommer ist es wohl die Touri-Hölle schlechthin. Während wir fast alleine in den Höhlen waren, standen am Eingang sicher hundert Boote bereit, mit denen ganze Horden da durchgeschleust werden können - für "mal eben anhalten" bleibt da keine Zeit; Staus an den Ampeln am Fluss im Eintrittspreis inbegriffen. Lerneffekte gab es auch: ich habe mir endlich mal eine Eselsbrücke für die ewige Stalakmiten-Stalaktiten-Frage basteln können. :)

Dienstag, 1. Februar


Bergsee bei Benxi.
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Wieder in Shenyang haben wir uns die zweite verbotene Stadt von China angeschaut. Genau genommen ist es die Erste, schließlich wurde sie von den Qing erbaut, bevor die Hauptstadt nach Beijing verlegt und dort ihr wesentlich größeres (und bekannteres) Pendant erbaut wurde. Die in Shenyang lohnt sich trotzdem zu besuchen, da sie sehr gut restauriert worden ist. Zum ersten Mal konnten wir hier wirklich die Wohnräume der Kaiser aus dieser Zeit sehen, Ausstellungen von Schmuck, Möbeln und ähnlichen betrachten und Gebäude wie die Bibliothek, Zentrum der chinesischen Bürokratie, erkunden. Faszinierend waren auch der "Tronsaal" des Kaisers mit seinen enormen Schnitzereien, den Holzdrachen und den vielen bunten Verzierungen. Erstaunliche Nebenerkenntnis: seit den 17. Jahrhundert (und vielleicht auch schon vorher) scheint sich die Schrift der Han-Chinesen kaum verändert zu haben; jedenfalls war alles klar und deutlich lesbar, die Zeichen sahen genauso aus wie wir sie heutzutage in unseren Lehrbüchern finden.

Der Thron des Kaisers.
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Thronsaal von außen.
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Nach der verbotenen Stadt und einem guten Essen bei einem Grillrestaurant haben wir uns dann noch die Beita angesehen, die nördliche Pagode welche früher Teil der Stadtmauer war. War ganz hübsch, leider gab es nicht soo viel zu sehen. Der buddhistische Tempel auf dem Gelände war jedenfalls wesentlich schöner als der grobe Steinklotz, der als Pagode bezeichnet wurde (und ich dachte immer, >>Pagoden sind diese filigranen Bauten mit den geschwungenen Dächern). Abends haben wir dann den Schlafwagen nach Dalian genommen, wo wir frühs (wie die Sachsen sagen würden) um fünf ankamen.

Mittwoch, 2. Februar


Im "Lustgarten" der alten Qing.
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>>Dalian liegt am oberen Zipfel einer Bucht (das so genannte Bohai-Meer), welches sich bis nach Tianjin in das Landesinnere erstreckt - im Osten kommt dann schon gleich Korea (siehe Karte). Da die Fahrt um die Bucht herum wesentlich länger dauert als sie zu überqueren, hatten wir die Idee, einfach ein Schiff zurück nach Shanghai zu nehmen; von dort aus wäre es nicht mehr weit bis nach Nanjing gewesen. Tja, aber leider hat das nicht so geklappt, wie wir wollten: am Ticketschalter direkt beim Bahnhof hieß es nämlich erstmal mei you (= haben wir nicht); wir interpretierten das insofern, daß es (wie immer) keine Karten mehr gäbe. Der Gang zum Passenger Ferry Terminal am Mittag brachte Klarheit: es gab nicht nur keine Karten mehr für den gewünschten Tag, die ganze Verbindung war auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. So 'ne Scheiße!

Die alte russische Tram in Dalian.
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Wir wurde daher zur Improvisation gezwungen und haben so nach einigem hin und her, Beratungen mit dem äußerst unfreundlichen Personal und wahren Kämpfen vorm Ticketschalter Karten für den übernächsten Tag nach Yantai ergattert: Nachtfähre, Betten fünfter Klasse, 120 元. Das war richtig anstrengend - vor den Kartenschaltern gab es keine Metallabsperrungen wie an den Bahnhöfen üblich, daher stand vor dem Schalter ein übelst drängelnder und schreiender Mob. Ich glaube, wir kamen nur durch meine Größe (und meinen breiten Armeemantel :) an Karten. Selbst direkt vor dem Schalter versuchten noch Chinesen sich an mir vorbei zu quetschen, die ich dann einfach zur Seite geschubst habe - anders gings einfach nicht. Als wir dann endlich Karten hatten fühlten wir uns total toll: wir hatten den Widrigkeiten des ständig wechselnden Fahrplans und den "Anstellmethoden" der Chinesen erfolgreich getrotzt; wir machten und daraufhin sehr zufrieden auf den Weg die schöne Hafenstadt Dalian zu erkunden.

Die Langzunge bei Dalian.
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Dalian liegt wie gesagt auf einer Landzunge, die kurz vor Korea in das gelbe Meer hinein ragt; es war daher schon immer ein wichtiger strategischer Punkt und großer Handelshafen. Dementsprechend wurde Dalian immer wieder mal von Fremdmächten eingenommen; fast alle der üblichen Verdächtigen (England, Russland, Japan etc.) besetzten für einige Zeit die Stadt. Am längsten waren die Russen da, die auch einen Großteil der heutigen Hafenanlagen erbauten, stellte Dalian für sie als zweiter komplett eisfreier Hafen neben Wladiwostok doch ein enorm wichtiges Ziel dar, welches sogar zum Bau der ostchinesischen Eisenbahn über Haerbin und Shenyang bis nach Dalian führte.

Dementsprechend kann man in Dalian noch einiges an europäischer Architektur sehen; am meisten fällt aber die alte russische Straßenbahn in Auge, die dem Cablecar in San Francisco erstaunlich ähnlich ist. Dalian selbst hat, obwohl es allgemein recht schön ist, für den Besucher relativ wenig zu bieten - es ist vor allem für seine Gärten, Parks und Kuranlagen bekannt, die im Winter keinen großen Reiz darstellen. Eins fiel uns jedoch sehr stark auf: in Dalian scheint es sehr viel gemütlicher und relaxter zuzugehen als sonst in China; man hat öfter mal das Gefühl, daß die gesamte Stadt auf Urlaub sei..

Donnerstag, 3. Februar


Vereiste Uferkante - und daneben waren die Jungs am Baden.
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An unserem vorletzten Tag der Reise hatten wir genug von Städten und sind um die äußere Landzunge gewandert. Sie wird komplett von einem Park bedeckt, durch den sich ein Straße mal an der Küste entlang, mal den Berg hinauf bis zum Südende der Stadt windet. Diese Wanderung war sehr schön, hatte man doch zum ersten Mal seit einiger Zeit Ruhe, Natur und vor allem: das Meer.

Nach längerer Zeit das Meer zu wieder zusehen finde ich immer toll, fragt mich nicht warum - witzig, daß es den meisten Menschen so ergeht. Wir vertrieben uns jedenfalls die Zeit mit Berechnungen (ob man bei gutem Wetter wohl bis nach Korea sehen könne oder viel mehr: wie weit man überhaupt sehen kann - Stichwort "Erdkrümmung"), genossen die frische Luft und schauten staunend ein paar Chinesen zu, die bei Temperaturen um den Gefrierpunkt munter Baden gingen - nix für mich, sag ich euch!

Ich versuche gerade Steine zu flitschen..
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Die Zeit verging schnell, so daß der Abend und damit die Schifffahrt (schreibt man das mit drei 'f'?) schnell näher rückte. Wir hatten fünfte Klasse gebucht, was vier Leute pro Kabine bedeutete - die von den Anderen aber nur durch Trennwände abgeschottet war, die oben und unten jeweils einen Spalt hatten. Man konnte so alle anderen im "Block" sehr gut hören. Trotz der sehr kurzen Kojen (jemand wie ich kann da nur gefaltet drin liegen) habe ich erstaunlich gut geschlafen, die arme Manu hatte wohl leider aufgrund des ungewohnten Rollens des Schiffs und der stampfenden Maschinen eine eher unruhige Nacht..

Freitag, 4. Februar


Nachdem wir früh morgens in Yantai ankamen, begann der Run auf die Zugfahrkarten: was uns Sorge bereitete war das nahende Frühlingsfest, gepaart mit der Tatsache, daß es von Yantai aus nur zwei Züge in unsere Richtung gab. Wir sahen also zu, daß wir mit als Erste das Schiff verließen, sofort ein Taxi Richtung Bahnhof bekamen und auf diese Weise vor allen anderen den Bahnhof erreichten. Dies machte sich bezahlt, wir konnten trotz der langen Schlangen und nervenaufreibenden Wartens noch Karten für den Direktzug nach Nanjing ergattern!

Gewürzstände auf einem Straßenmarkt.
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Wir hatten sogar welche für die Hardsleeper-Klasse bekommen, so daß uns eine bequeme Reise bevorstand - dachten wir. Wir hatten nämlich beschlossen, uns um die Zeit schneller rumzukriegen, einfach zu besaufen. Hat auch ganz gut geklappt, würd' ich mal sagen: Wir hatten uns vor der Abfahrt im Morgengrauen noch schnell mit baijiu, einer Art chinesischem Obstschnaps, eingedeckt (baijiu heißt soviel wie "weißer Schnaps" und kann wohl getrost mit "Klarer" übersetzt werden).

Dieser Schnaps wird jedenfalls häufig von den Chinesen getrunken; sie vertragen - ganz im Gegensatz zu Bier - auch erstaunlich viel davon. Ich weiß nicht, welche kurzzeitige Umnachtung unsere Hirne lahmlegte - jedenfalls haben wir den halben Liter Fünfzig prozentigen ganz fix leer gemacht. Was das für ein billiger Fusel war! Eigentlich kein Wunder, bei 65 Cent die Flasche. Denkt man sich im Nachhinein. Der Rest der Fahrt war extrem beschwerlich, ich hatte rasende Kopfschmerzen, mir war kotzübel, ich konnte nicht schlafen und Nanjing war noch zehn Stunden entfernt..

Samstag, 3. Februar


Äußerst zerschlagen und froh darüber, endlich wieder daheim zu sein, kamen wir gegen zwei Uhr Nachts in Nanjing an. Völlig fertig schleppte ich mich in mein Zimmer im Wohnheim, es sollte noch lange dauern, bis ich schlafen konnte..

Abschließend kann ich mal wieder sagen, daß die Reise (bis auf die Rückfahrt :) wunderschön war, der Norden Chinas ist im Winter echt zu empfehlen - wenn man die Kälte aushält. Das klappt nur, wenn man das Glück hat um die üblichen Reisekatastrophen herum zukommen und mit so unkomplizierten und lieben Reisegefährten wie Manu unterwegs ist..

Karte

map_haerbin-reise

Ende

So, das war ein weiterer meiner Reiseberichte aus China. Ich hoffe er hat euch ein so gut gefallen wie der aus Chongqing-Chengdu - an dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön für die ganzen positiven Rückmeldungen (für Kritik würde ich mich auch bedankten, wenn ich welche bekommen hätte =). Wenn ihr Fragen oder Kommentare habt, einfach einloggen und schreiben!

Falls ihr die Fotos als .zip-Datei runterladen wollt:

Ach ja: das auf dem Titelfoto bin übrigens ich, der frühmorgens auf dem zugefrorenem Fluss in Haerbin läuft..
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