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Chongqing-Chengdu

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Zusammenfassung:

Dies hier ist mein Reisebericht für den Chongqing-Chengdu-Trip, den ich mit Katja, Luise und Tobi wärend der ersten Oktoberwoche 2004 unternommen habe. Wir sind dabei erst nach Chongqing gefahren, von dort nach Emei, wo wie den Emei Shan bestiegen haben, und noch kurz nach Chengdu. Wir waren zwölf Tage unterwegs.

Wir vier hatten uns entschlossen, in unseren ersten Ferien, einer der sogenannten "Golden Weeks", zusammen wegzufahren. Diese goldene Woche heißt so, da in dieser Woche Anfang Oktober alle Chinesen Ferien haben. Es gibt nur noch eine zweite solche Woche (im März glaub ich), mehr Ferien haben die Chinesen nicht. Diese Ferienwoche wurde auch erst vor ein paar Jahren eingeführt, um die chinesische Wirtschaft und Tourismusbranche anzukurbeln.

Die fotoscheue Katja..
0116 Fotoscheue Katja.jpg
Hat ganz gut geklappt, die Chinesen reisen in dieser Zeit wie die blöden. Die Züge sind schon lange im Vorraus ausgebucht, Hotels sind überfüllt und der Stressfaktor ist sehr groß.

Wir haben daher lange überlegt, ob wir überhaupt in dieser Woche wegfahren oder wie die meisten anderen Ausländer einfach zu Hause bleiben sollten. Naja, zehn Tage in Nanjing/Shanghai/Hangzhou rumzuhängen, nee, das war nicht unser Ding. Wir dachten uns, wenn man an nicht so (bei den Chinesen) beliebte Orte (wie z.B. Beijing) fährt, muss das schon gehen. Wir haben uns drauf geeinigt, uns in Shanghai zu treffen und von dort aus zusammen einen Zug zu nehmen. Eigentlich wollten wir erst nach Chengdu fahren, allerdings gab dafür keine Karten mehr..

Mittwoch, 29. September 2004


Katja und ich hatten keine Karten mehr für einen Zug am Donnerstag bekommen, daher mussten wir schon am Mittwoch fahren. Dadurch verpassten wir "leider" den Unterricht am Donnerstag (wir hatten erst ab Freitag frei) und waren dafür einen Tag früher in Shanghai. Unsere durch diese verpasste Lernmöglichkeit dann doch sehr gedrückte Stimmung verbesserte sich schlagartig, als wir in den Zug kamen: einganz neuer Softseat-Wagen, d.h. ähnlich komfortabel wie der ICE; diesmal sogar mit Sitzplätzen (das letzte Mal nach Shanghai sind wir drei Stunden lang gestanden).

Tobi schläft im Zug (Transsib-Konditionierung :)
0101 Tobi schlaeft.jpg
In Shanghai angekommen wurden wir von Tobi abgeholt, da wir den Weg zu seiner neuen Wohnung nicht kannten. Diese ist übrigens grandios und liess mich gleich mal an meiner Entscheidung zweifeln, erstmal in sushe (Wohnheim) zu bleiben. Das beste an der Wohnung war allerdings, daß sie voller Leute war. O-Ton Tobi: "Tommy (sein Mitbewohner) hat irgendwie alle auf ne Party eingeladen, wusst' ich selber nix von." Mitbewohner sind halt immer für die eine oder andere Überraschung gut :). Naja, kam uns ja gelegen, wir haben einen gemütlichen Abend mit den ganzen anderen Auslandsstudenten gehabt. Daher sind wir dann garnicht mehr rausgekommen (nurmal zum Bier holen und Grillspieße essen, gibts dort direkt vor der Tür).

Donnerstag, 30. September 2004


Am nächsten Morgen haben Katja und ich uns erstmal in die Stadt aufgemacht, um ein bißchen shoppen zu gehen. Tobi konnte nicht mit, der musste noch irgendwas mit seiner Polizeiregistrierung erledigen (jeder Ausländer, der in China eine Wohnung bezieht und länger bleibt muss sich bei der Polizei registrieren).

Luise
0119 Luise lacht.jpg
Als ich gerade mein letztes Geld für eine Umhängetasche ausgegeben habe (Grandiose Aktion, Arne! Da das monatliche Geld entwas verspätet war, war mein Konto natürlich leergefegt. Bißchen dumm, schon am Anfang der Reise kein Geld mehr zu haben.. ;) Aber ich hatte die Zugfahrkarte zum Glück schon bezahlt, nach der langen Fahrt hatte ich dann wieder Geld.), hat sich Luise endlich gemeldet. Die studiert in Hangzhou und wollte auch nach Shanghai kommen. Leider hatten wir von ihr nix gehört, außer das sie mitkommen will. Naja, plötzlich war sie da und saß vor Tobis Wohnung. Da musste sie auch noch 'ne Weile sitzen, da weder wir noch Tobi so schnell nach Hause kamen..

Abends sind wir dann noch auf die feier-in-den-Staatsfeiertag-rein-Party im Windows gegangen. Ganz übler Schuppen, alte schlechte Chartmukke (ich weiss, dass war redundant) und nur Ausländer, die irgendwelche heissen Asiatinnen abschleppen. Am wiederlichsten waren die Managertypen Mitte vierzig - Gott, falls es dich gibt, lass mich bitte nicht so enden! Dort hab ich dann lustiger Weise die beiden Österreicher wiedergetroffen..

Rückblick:

Als ich mit Katja das erste Mal in Shanghai war, landeten wir am Samstag Abend auf einer "Beachparty". Die fand in einem alten Freizeitpark statt und war mit ca. 30 Leuten äußerst gut besucht. Etwas demotiviert ob dieses Reinfalls (wir sind mit einem Shuttlebus dahin
Putong, das Geschäftsviertel von Shanghai
0101 Shanghai Skyline.jpg
gekarrt worden, war zwar umsonst, hat aber ganz schön lange gedauert) und geplagt von später Stunte wollten die anderen (Tobi, Katja und Bina) dann nach Hause gefahren. Das wirklich deprimierende stellte sich erst dann heraus: der "Shuttlebus" ging nur in eine Richtung - und wir befanden uns ca. 50km außerhalb vom Zentrum. Taxis waren zwar genügend da (welch Zufall), verlangten aber über hundert Kuai für die Rückfahrt. Naja, wärend des harten Handels haben wir dort noch zwei sehr nette Österreicher und nen durchgeknallten Ungarn kennengelernt, mit denen ich dann später (ich wollte noch nicht zurück ins Hotel) ein wenig durch die Clubs gezogen bin. Die Ösis studieren auch Chinesisch in Shanghai und waren echt nett.. Am Ende des Abends landeten wir in irgendeiner 24/7-Burgerbude, wo ich den beiden, die total abgebrannt waren, noch was zu essen spendiert habe.

..und wen treff ich im Windows? Die beiden Pappnasen samt Freundin! Sehr praktisch, die waren mir nämlich wegen den zwei Burgern noch so dankbar, daß sie mich den Abend über mich Bier versorgt haben. Das traf sich ganz gut, da ich ja diesmal der Abgebrannte war :). Zufrieden und relativ strack sind wir vier dann zu Tobis Wohnung zurückgefahren. Taxifahren ist hier übrigens echt toll, da es so billig ist - in Deutschland kann ich das nie geniessen, ich starre dabei immer manisch auf das Taxameter und frage mich, wieweit das Geld wohl noch reicht..

Freitag, 1. Oktober 2004


Landschaften, die am Zug vorrüber ziehen
0104 Landschaft auf dem Weg nach Chongqing.jpg0106 Dorf auf dem Weg nach Chongqing.jpg0107 Dorf mit See.jpg

Nachdem wir dann am Freitag morgen relativ erfolgreich aus dem Bett geqäult haben, sind Katja, Luise und ich nochmal durch Shanghai gezogen. Wir wollten "nur mal schnell" ein paar Sachen einkaufen und danach zur Austellung der Biennale gehen. Wie's in China nunmal so ist, hat alles viel länger gedauert als geplant.

Luise schläft
0108 Luise schlaeft.jpg
Wir kamen daher nur zum einkaufen - nicht, das wir auch was gekauft hätten. Aber immerhin haben wir im Carrefour (diese große französische Supermarktkette, gibts hier überall) noch echte Ritter Sport Schokolade gefunden - der Tag war gerettet. Nach dem Einkaufen waren wir so fertig, daß wir uns in Tobis Wohnung erstmal hingelegt haben. Gegen vier mussten wir dann schon aufbrechen - erst was essen, dann direkt weiter zum Bahnhof.

Das süße Kind vom Nachbarabteil (es guckt gerade garnicht so glücklich, da die Mutter im noch für's Foto den Mund abgewischt hat.. :)
0118 Mutter mit dickem Kind.jpg
Unser Zug fuhr glaub ich gegen sieben, ist ja auch egal, jedenfalls haben wir den gut bekommen. Der Bahnhof war echt voll, das ist hier aber immer so. Wir hatten Hardsleeper gebucht, das ist allerdings nicht hart, heisst nur so. Ist einfach die zweite Schlafwagen-Klasse, also wie in Indien sechs Betten pro Abteil und keine Türen.

Im Zug wurden wir von den Chinesen (wie üblich) neugierig, aber freundlich beäugt. Sogar die Schaffner waren echt freundlich, am besten war allerdings der Buddistische-Symbole-Verkäufer, der auch irgendwie zur Bahn gehörte. Der erste Abend im Zug war recht geruhsam, wir hatten netter Weise ein Abteil für uns und haben bis tief in die Nacht geschnackt. Klassenfahrtsfeeling pur.. :)

Der Zug selbst war allerdings, vor allem für den ersten Ferientag, erstaunlich leer. Dadurch war die Reise relativ angenehm - sechs Leute in einem Abteil ist dann doch noch ein wenig stressiger. Ansonsten ist der Staatsfeiertag zum 55. Geburtstag der Volksrepublik China relativ unbemerkt an uns vorrüber gegangen - diese ignoranten Laoweis wieder, nee, nee (als laowei, was soviel wie "weiser Fremder" bedeutet, werden hier in China alle Ausländer betitelt)..

Samstag, 2. Oktober 2004


Die Innenstadt von Chongqing wirkte fast großstädtischer als Shanghai, da die Wolkenkratzer, dadurch daß sie so eng stehen, ziehmliche Häuserschluchen bilden
0123 Chongqing Innenstadt.jpg
Die Reise im Zug war echt witzig. Wir haben die Zeit irgendwie mit lesen, schlafen, essen und quatschen gut rumgekriegt - obwohl niemand von uns Intelligenzbestien dran gedracht hatte, ein Kartenspiel oder was ähnliches mitzunehmen (soviel zur Transsib-Konditionierung :). Glücklicher Weise waren wir von netten Chinesen umgeben, so daß diese Fahrt echt angenehm war.

Sonntag, 3. Oktober 2004


Wir kamen zum Glück recht früh in Chongqing an. Nach dem üblichen Kraftakt, aus dem Gewirr des Bahnhofes zu entkommen, haen wir auch ein Taxi gefunden, das uns zu dem von uns angepeilten Hotel brachte. Dies lag direkt in der Innenstadt, wodurch wir eigentlich wenig Hoffnung hatten, dort ein Zimmer zu finden. Aber dort angekommen bewarheiteten sich unsere Befürchtungen nicht, es gab noch freie Zimmer! Außerdem war günstiger als gedacht, so daß wir uns den Luxus leisteten, ein sechs-Bett-Dorm einfach für uns vier zu mieten.

Ein kleiner Tierhandel neben einem großen Hochhaus: alltägliche Kontraste in China
0125 Huenchen a la Skyscraper.jpg
Nach der langerwarteten Dusche (es gibt natürlich keine in den Zügen) sind wir, bewaffnet mit 'nem >>Lonely Planet (und ansonsten ohne Plan) in die Stadt losgezogen. Netter Weise lag das Hotel auch tatsächlich so zentral, wie es auf dem Stadtplan aussah: man fiehl von der Tür direkt auf die Hauptfußgängerzone.

Die folgenden Stunden verbrachten wir damit, mehr oder minder ziellos in der Stadt rumzulaufen. Wir haben uns ein paar empfohlende Sachen angeschaut, die waren aber bei weitem nicht das interessanteste an der Stadt. Am besten ich glaub ich die Stadt an sich und die kleinen Gassen, die überall den Berg hinführen.

Chongqing (zumindest die Innenstadt) liegt nämlich auf einem großen Felshügel auf einer Landzunge. Diese wird von den beiden großen Flüssen Changjiang (der bei uns Yangtse-Fluss genannt wird) und Jialingjiang begrenzt, die sich an ihrer Spitze in einem großen Delta treffen und gemeinsam weiterfliessen. Die Stadt selbst bezeichnet sich mit über 30 Mio. Einwohnern als die größte Stadt der Welt, was aber nicht ganz stimmt: vor ein paar Jahren hat man dort eine große Gebietsreform beschlossen, so daß die Stadt nun mit dem umliegenden Gebieten, ähnlich wie Shanghai, eine eigene, kleine Provinz bildet (die auch Chongqing heißt und deren Hauptstadt sie ist) Die wirkliche Einwohnerzahl der Stadt liegt bei knapp sechs Millionen. Also alles Bluff - ob das nun tatsächlich irgendwelche steuerlichen oder handelstechnische Vorteile hat oder nur für den Ruhm und die Touristen gemacht wurde, ist uns nicht ganz klar geworden.

Kleine Lebensmittelläden wie dieser säumen die meisten chinesischen Strassen
0204 Lebensmittelladen an der Strasse.jpg
Ein kleiner Junge auf einem Balkon. Kleine Kinder rennen entweder kichernt weg, oder sind von unserem Anblick paralysiert
0130 Kleiner Junge auf Balkon.jpg
Eine der besagten engen Gassen
0206 Enge Gasse.jpg
Von denen gab's übrigens sehr wenige in Chongqing, so daß man sich schon etwas mehr in China fühlte als z.B. in Shanghai. Aber es sind noch ein paar andere Dinge an Chongqing sehr untypisch: es gibt z.B. keine Fahrräder (die ja sonst in China so omnipräsent sind), da es einfach unmöglich ist, die steilen Strassen mit einem Rad zu bezwingen. Jedenfalls nicht mit einem chinesischen Rad, die haben nämlich keine Gangschaltung. Aber eine solche würde bei den kleinen Gassen und Treppen, die sich überall zwischen den großen Strassen den Berg hinunter schlängeln, auch nicht viel helfen.
Der Eingang zum Luohan Si-Tempel
0128 Buddistischer Tempel - Eingang.jpg
Desweiteren ist es erstaunlich still in der Stadt, da das Hupen 1997 von der Administration verboten worden ist (Hupen wird in China wohl ähnlich gehandhabt wie in den meisten asiatischen Ländern: man hupt grundsätzlich immer, egal ob jemand auf der Stasse ist oder nicht).

Der Hof des Tempels ist zwischen riesigen Hochhäusern eingeklemmt
0132 Tempelhof.jpg

Durch diese Unterschiede hat die Stadt ihren eigenen Reiz, den wir garnicht so erwartet hätten. Die meisten Leute, die hörten, daß wir nach Chongqing fahren, meinten nämlich, daß Chongqing eine furchtbar häßliche Industriestadt sei. Das stimmt zwar, aber die Innenstadt lohnt sich für ein bis zwei Tage schon. Naja, wir haben uns als erstes mal das Liberation Monument (Jiefang Bei) angeschaut, daß eigentlich an Sun Yatsens Tod erinnern soll, aber eigentlich einfach nur häßlich und langweilig ist. Aber egal, es steht auf einer der Hauptkreuzungen der Stadt und man kommt daher sowieso dran vorbei. Danach sind wir in Schlangenlinien durch die Stadt gelaufen, bis wir irgendwann am Arhat Temple (Luohan Si) ankamen. Dieser buddhistische Tempel wurde vor ca. 1200 Jahren erbaut und ist noch wirklich "in Betrieb"; viele Chinesen waren dort am beten und Opfer darbringen (nein, nur Kerzen, Blumen und

Schiffe auf dem Yangtse
0211 Stadt, Schiffe und der Yangtse.jpg
Essen.. :) als wir dort waren. Der Tempel selbst ist ganz nett, besticht aber vor allem durch den Kontrast zwischen altem, traditionellem und den riesigen Wolkenkrazern, zwischen denen er eingeklemmt ist.

Nach diesem ruhigen Ort sind wir weitergezogen, um uns das Flussdelta von der Spitze der Halbinsel (den sogenannten Chaotianmen Docks) aus anzuschauen. Das war ganz interessant, aber ziehmlich mit chinesischen Touristen überlaufen. Wir haben uns daraufhin getrennt, da der Weg zu den Docks relativ lang und ermüdend war, zogen Luise und ich mich in das schöne Sophie's Cafe zurück, während Katja und Tobi mit einer Seilbahn den Yangtse überquerten. Mit den üblichen Sachen, die man Abends noch schnell erledigt (essen, einkaufen, Internet etc) war der Tag auch schon wieder um. Zum Glück hatten wir uns unsere Bustickets nach Leshan schon besorgt, so hatten wir eine Sache weniger zu erledigen..

Montag, 4. Oktober 2004


Am nächsten Morgen sind wir dann mit dem Bus in Richtung Leshan losgefahren. Dort steht der größte Budda der Welt (71 Meter hoch!), der von Mönchen in jahrelanger Arbeit aus einer Felsklippe am Ufer des Min He geschlagen wurde. Die Busfahrt war lang und beschwerlich, vor allem da die chinesischen Busse sehr großzügige Beinfreiheit bieten - für Chinesen. Als wir dann schliesslich in Leshan ankamen, war es kurz vor der Dämmerung und regnete. Ob unseres dann doch sehr knappen Zeitplans, des schlechtes Wetters und einer allgemeinen Unmut jetzt durch den Schlamm zu latschen, entschlossen wir Leshan kurzerhand zu überspringen und fuhren direkt weiter nach Emei. Das war zum Glück sehr
Gammel- und Gesund-werd-Abend im Hotel
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unkompliziert, da unser Bus durchfuhr und wir dem Fahrer einfach nur ein paar Kuai in die Hand drücken mussten..

In Emei angekommen, haben wir erstmal eins gemacht: frieren. Es war dort, obwohl der Ort nur auf ca. 300 Meter liegt, nämlich relativ kalt. Das liegt wohl an den umgliegenden Bergen, wir waren es jedenfalls nicht gewohnt und mussten nach anderthalb Monaten in T-Shirts und kurzen Hosen plötzlich Pullis und Jacken auspacken. Nachdem wir ein Hotelzimmer gefunden haben, ham wir nurnoch was gegessen und den verregneten Abend im Bett vergammelt.

Dienstag, 5. Oktober 2004


Am Tag darauf haben wir dann erstmal im "Teddybear Cafe" gefrühstückt, daß insofern eine Wohltat war, als daß es dort Sandwiches, Kaffee und anderes "western-style Food" gab. Wenn es eins gibt, daß ich China vermissen, dann ist das ein gutes deutsches Frühstück. Bei aller Offenheit und Liebe zu China - kalter Reis mit Fisch zum Frühstück ist einfach scheisse. Das Cafe und deren Besitzer, der nette aber
Der Weg zum Wasserfall. Hier kann man einen der Träger sehen, der einen für 30 Kuai (3€) den Weg erleichtert
0218 Traeger auf Weg.jpg
auch leicht penetrante Andy, waren sehr auf Backpacker eingestellt und boten umfangreiche Informationen über den Emei Shan (Emei Mountain), den wir am nächsten hochwandern wollten. Generell war dieser doch recht kleine Ort sehr auf Backpacker eingerichtet: viele des Englischen mächtige Leute, Outdoortläden, englische Menükarten (eine Seltenheit, die essen in China immer wieder zu einem Vabanque-Spiel werden lässt) und generell viele Tourismusbetriebe machten dies überdeutlich. Ich habe auch noch nie so viele Ausländer in China gesehen (ausser vielleicht in Shanghai).

Wir haben dann erstmal beschlossen, den Tag ein wenig kürzer zu treten. Alle waren ein wenig am känkeln, außer Luise, die nach einer übermotivierten Jogging-Session am Anfang der Woche starke Schmerzen an den Hüftgelenken hatte. Das war die letzten Tage so stark geworden, daß sie sich entschloss, schonmal nach Chengdu (unser nächstes und letztes Ziel) vorzufahren. Das war sehr schade, da wir viel Spass zusammen hatten, es hätte aber keinen Sinn gemacht (und wär vor allem auch dumm und gefährlich gewesen) mit Schmerzen den Berg besteigen zu wollen.

Ein See an dem wir vorbei kamen
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Erstmal sind wir dann in das bessere und billigere Teddybear Hotel umgezogen, das auch dem besagten Andy gehört. Das vorige Hotel war nämlich nicht so prall und ziehmlich kalt (auch das Duschwasser, nix für den alten warmduscher Arne.. :) Wir haben uns dann nach dem Mittagessen von Luise getrennt, woraufhin der verbleibende Rest erstmal shoppen gegangen ist. Ich war nämlich der einzige, der ausreichend warme Kleidung dabei hatte. Das war auch ganz gut so, da ich in Emei kein einziges passendes Kleidungstück gefunden hab. Sichuan, die Provinz in der wir waren, lag nämlich ca. 800km weiter südlich. Je weiter man in China kommt, desto kleiner sind die Leute. Da hab ichs mit Nanjing noch ganz gut getroffen, da hab ich noch ne reale Chance, etwas zu finden. Nach dem Einkaufen haben wir uns entschlossen, noch einen Kurztrip den Berg hinauf zu machen.

Der Berg ist nämlich mit mehren kleinen Klostern, Tempeln und Pagoden übersäht, so daß es mehrere Wege nach oben gibt. Wir haben uns dann einen Wasserfall in der Nähe angeschaut, zu dem man nur eine halbe Stunde laufen musste (nach einer kurzen Busfahrt). Dieser lag nämlich nicht auf der Route die wir am nächsten Tag laufen wollten, und bot sich daher dafür an.

0224 Pagode, Bruecke und Wasserfall.jpg
0227 Wasserfall.jpg
0228 Pagode.jpg
Die Pagode auf dem Felsen zwischen den Wasserfällen

Der Wasserfall und der Weg dorthin waren relativ schön, wären nur nicht die tausenden chinesischen Touristen gewesen, die mit uns den gut ausgebauten (und von Essens- und Souvenierständen gesäumten) Pfad entlang geschleust wurden. Das war teilweise so schlimm, das man teilweise wirklich in einer langen Schlange lief, vor allem auf den engeren Stellen. Vom Wasserfall und der Pagode blieb, so schön sie auch war, auch nicht viel, lebten sie doch vor allem von der Abgeschiedenheit und Ruhe der umgebenen Natur - was irgendwie nicht so rüber kam.. :) Das sieht man auf den Fotos natürlich nicht, wer will schon Touri-Horden auf seinen Bildern haben.

Alles in allem hat sich das aber sehr gut für einen Kurztrip geeignet. Ein weiterer Vorteil war, daß die Karte, die zum Eintritt in das Gebiet (ist alles sehr gut bewacht, gepflegt und sauber, da es sich wohl um eine der wichtigeren Attraktionen in China handelt) um den Berg bemächtigt, für mehrere Tage galt. Somit mussten wir nur einmal 60 Kuai zahlen und konnten dann am nächsten Tag direkt losgehen.

Mittwoch, 6. Oktober 2004


Die Treppen waren teilweise sehr steil
0302 Tobi und Katja am Treppensteigen.jpg
Wir sind dann "früh" am nächsten Morgen aufgebrochen. Sprich: es war neun Uhr, als wir mit dem Frühstück endlich fertig waren. Dieses haben wir natürlich im Teddybear Cafe zu uns genommen, das sich schon alleine von seiner Lage her für die täglichen Mahlzeiten anbot. Das Essen dort hing uns langsam aber auch schon zum Halse raus, es war nämlich nicht halb so gut wie die Lage (das chinesische Essen dort ist gut, nur das Frühstück ist irgendwann ekelig)..

Wir haben das später noch bereut, nicht frührer aufgebrochen zu sein. Erstens weil dadurch die Talstation schon total überfüllt war (ok, das wir die Chinesen im früh aufstehen nicht schlagen, war uns klar) und zweitens weil man, wenn man am Ende des Tages obens ankam, relativ wenig Zeit hatte bevor der Bus abfuhr.

Aber erstmal noch ein paar Worte zum Emei Shan. Dieser ist 3099 Meter hoch und wie alle Berge in der Umgebung bis nach oben mit dichtem, fast dschungelänlichem Wald bewachsen. Auf dem Weg nach oben gibt es mehrere Tempel und Kloster, in denen man wahlweise rasten, etwas essen und auch übernachten kann. Der Berg ist in als einer der vier

Wolken im Tal
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wichtigsten buddhistischen Tempelberge bekannt und ist ein Weltkulturerbe. Er wird heutzutage von einem gut kontrolliertem Naturschutzgebiet umfasst, für dessen Eintritt man die besagten 60 Kuai (120 für Nicht-Studenten) zahlen muss. Achja, falls irgendwer von euch mal nach China kommt: lasst den Studentenausweis zu Hause (auch den Internationalen!), den will hier keiner sehen. Entweder ihr seit Studenten in China, oder ihr seit garkeine..

Von Emei aus fährt man ersteinmal mit dem Bus zur Talstation, was ca. eine halbe Stunde dauert. Dort erwartete uns die erste Überraschung: an der Talstation der Seilbahn, mit der man die erste kleine Strecke fahren kann, wahr eine so lange Schlage (ca. 500m) das wir uns kurzerhand entschlossen, das erste Stück ebenfalls zu laufen. Das war auch noch einer der angenehmsten Abschnitte (da es dort nicht so steil ist) und dauerte ungefähr eine Stunde. Ein bißchen enttäuscht davon, daß so viele chinesische Touristen auf diesem Berg rumkraxelten (was wollen die auch in China? :) erreichten wir das Ende der Seilbahn. Dort war es auch sehr voll, und nach einer kleinen Pause sahen wir zu, daß wir weiter den Berg raufkamen.

Die Küche eines dieser vielen Foodstalls
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Wir hatten uns für den Weg entschieden, der über Wannian Si (das Ende der Seilbahn), Huayan Peak, Xixiangchi zum Jieyim Palace führte. Dort lag auf knapp 3000 Metern Höhe der obere Busbahnhof. Ab da konnte man dann noch eine Seilbahn zum Kloster auf der Spitze (Jinding Peak) nehmen. Die Strecke sollte, je nach Wetter und Kondition (und mit welchem Chinesen man sprach) zwischen sechs und neun Stunden dauern. Wie wir nach Berichten von anderen schon befürchtet hatten, bestand der Weg den Berg hoch durchweg aus Treppen. Mal mehr, mal weniger steil, aber flache Stellen kamen eigentlich nicht vor. Nach der ersten Stunde laufen bemerkten wir auch, wie anstrengend das Ganze war. Die Treppen sind teilweise so steil, daß man eher von Klettern als Treppensteigen sprechen muß - dafür wurde der Fleiß mit einer schönen Einsamkeit belohnt: die meisten Touristen scheuten den langen, beschwerlichen Weg und nahmen den Bus zur Spitze. Dadurch bekam man für teilweise lange Zeit keine Seele zu sehen. Wenn man dann mal auf ein Rudel Chinesen traf (deren Rudelverhalten ähnlich das der Japaner ist)
Nebelschlucht
0330 Nebelschlucht.jpg
hätte man am liebsten um sich beissen wollen (ja, es ist sehr ätzend, wenn man verschwitzt und keuchend auf einem Absatz ankommt, und dann sofort von zehn kreischenden und lachenden Chinesen um ein Foto gebeten gezwungen wird.. Keine Gnade, die Jungs :).

Ansonsten gibt es hin und wieder am Weg kleine Essensstände, bei denen man Tee, Obst und machmal auch komplette Mahlzeiten kriegen kann. Natürlich zu - zumindest für chinesische Verhältnisse - deftigen Preisen. Was uns unterwegs auffiehl: während die "Besatzung" dieser Stände weiter unten am Berg mit sonst so untypischer Penetranz auffiehlen, teilweise gar unfreundlich waren, wurden die Leute immer freundlicher, je weiter man nach oben kam. Später konnte man sich auch mal hinsetzen und ein bißchen mit denen schnacken (nicht das ich mehr verstanden hätte als "Wo kommste her? und Was machste denn?, das Übliche eben..) ohne das man gleich etwas kaufen mußte/sollte. Das liegt wohl an den nach oben hin immer weniger werdenden Touristen.. Übrigens liess sich niemand, der auf dem Berg arbeitete, von mir fotographieren (daher hab ich nur Landschaftsbilder), das scheint wohl auch eine Folge von den Touristen zu sein.

Der Tempel, an dem wir rasteten (Huyan Peak)
0310 Tempeleingang.jpg
Nach weiteren zweieinhalb Stunden erreichten wir Huyan Peak. Der Weg bis dorthin war zwar schön gewesen, die Aussicht aber leider ob der vielen Wolken sehr verhangen. Das scheint wohl auch die Regel am Emei Shan zu sein, jedenfalls soll es nur ganz wenige klare Tage geben. Langsam merkten wir, das die Luft kühler wurde, und man versuchte ein ständiges (gefährliches) Spagat zwischen zu kühl sein und schwitzen. Als wir den Tempel erreichten, waren wir auch recht erschöpft, so daß wir uns zu einer etwas längeren Rast entschieden. Netter Weise kam, sobald wir es uns in dem Innenhof des Tempels (der auf dem kleinen Grassplateau liegt) gemütlich gemacht hatten, die Sonne heraus und trocknete unsere nassen Klamotten. Zusätzlich zu der kühlen Luft ist es da oben auch noch sehr feucht - man läuft ja praktisch die ganze Zeit durch Wolken. Von denen hatten wir auch gerade die erste Schicht hinter uns gelassen und konnten endlich mal etwas weiter sehen. Die Tempel selbst auf dem Weg sind, naja, chinesische Tempel halt. Nicht besonders spektakulär, a la haste einen gesehen, haste alle gesehen. Leider ist keiner der Tempel auf dem Berg noch ein altes Original, was von Bränden und Plünderern verschont blieb, wurde in der Kulturrevolution dem Boden gleich gemacht.

Der Chef
0322 Der Chef.jpg
Witziger Weise trafen wir wärend dieser Rast Jessi, die Tobi und ich in der Transsib kennengelernt hatten. Die kam gerade von oben (sie hatte dort im Kloster übernachtet) und war auf dem Weg nach unten. Katja hatte am Tag vorher schon jemanden getroffen, der mit ihr zusammen im Chinesisch Sprachkurs in Jena war. Jaja, die Welt ist klein..

Ein paar der jüngeren Affen hatten sich auf's Dach verkrochen und versuchten von dort aus was zu angeln
0325 Affen aufm Dach.jpg
Nach dieser Pause gings weiter rauf (was hatte man auch für eine andere Wahl), Stufe nach Stufe, Treppe nach Treppe. Besonders demoralisierend waren die immer wieder auftretenden Abstiege, in denen man schnell mal die Arbeit der letzten halben Stunde nichtig machte. Die Landschaft und Aussicht wurden dafür immer besser. Kurze Zeit nach dem Essen trafen wir das erste Mal auf eine der großen Attraktionen des Berges: Affen. Ich habe keine Ahnung, was das für welche waren, aber es waren auf jeden Fall viele. Wir standen gerade an einem der Essensstände, als eine Horde Affen "auf Durchreise" vorbei kam. Sehr witzig, wie menschlich Affen dann doch sein können. Vor allem ihre kleinen, ledrigen Hände, die an deinem Hosenbein ziehen und nach Essen greifen, wirken wie die von Kindern.

Katja und der (noch friedliche) Affe
0401 Katja und der Affe.jpg
Die größeren und älteren Affen sind dann aber garnicht mehr so witzig, können sie doch auf der Suche nach Nahrung etwas direkter und aggressiver werden, als einem lieb ist. Zum Glück war an dem besagten Stand ein chinesischer Koch, der, mit einem Bambusstab bewaffnet, die Affen davon abhielt, uns Touristen völlig auszuziehen. Netter Weise schenkte er mir den Stock, so daß wir uns in Zukunft gegen solche "Affenbanden" zu Wehr setzen konnten. Dachten wir. Als wir kurz darauf auf eine weitere Gruppe Affen trafen, hat eines der älteren Männchen Katja eine gebatscht. Nichts schlimmes, hat uns trotzdem erschreckt. Ich hab daraufhin versucht, den Affen mit dem Bambusstab eine zu verpassen. Natürlich war ich viel zu zart, was den Affen nur anstachelte. Als er dann mit gefleschten Zähnen und erhobenen Armen auf uns zu kam, haben wir lieber reiss aus genommen..

Tobi ist fertig
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Der Blick von fast ganz oben
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Katja am Abgrund
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Letztendlich erreichten wir aber alle wohlbehalten die obere Busstation. Diese war wieder im bekannten Stil: viel Beton, Leute, Lärm und Hotels. Die Zeit reichte nicht mehr, um noch auf den Gipfel zu laufen. Man hätte zwar die Gondel nach oben nehmen können, das war uns aber zu teuer. Wir hatten uns nämlich dagegen entschieden, im Kloster auf dem Gipfel zu übernachten, das hätte sich nicht gelohnt. Dafür war es uns einfach zu voll und zu touristisch da oben. Somit mußten wir zusehen, den letzten sechs-Uhr-Bus runter ins Tal zu bekommen.

Der Bus brachte uns dann mehr oder weniger komfortabel ins Tal zurück, was auch nochmal eine Stunde gedautert hat. Zu Fuß haben wir insgesamt sieben einhalb Stunden für die 2000 Höhenmeter gebraucht (obwohl wir durch die ganzen Hügel sicher 3000 gelaufen sind). Glücklich und vor allem fertig sind wir nach einem Essen ins Bett gefallen..

Donnerstag, 7. Oktober 2004


Tobi und Katja
0423 Tobi und Katja am Kuscheln.jpg
Wir haben fast zehn Stunden geschlafen, was für mich eine totale Seltenheit ist. Zeigt vielleicht ganz gut, wie erschöpft wir waren. Überraschung auf allen Seiten: es war niemand krank geworden - und wir kamen die Treppen vom Hotel runter, ohne dabei spitze Schmerzensschreihe ausstossen zu müssen! Nach 'nem schnellen Frühstück ging's in den Bus nach Chengdu. Die Fahrt dorthin dauert (zum Glück) nur zwei Stunden und war relativ langweilig. Für mich jedenfalls. Katja und Tobi haben's während der Fahrt (endlich) geschafft zusammen zu kommen. Endlich deswegen, da dem ganzen ein paar Tage an Balzgetanze, reden, ärgern, schmollen und gegenschmollen vorrausging. Das übliche halt. Das kann man als Außenstehender dann immer ganz gut beobachten - ich denke, ich hatte an der Sache echt am meisten Spaß. :)

Zum Glück bin ich inzwischen mit beiden gut genug befreundet, um mich da nich wie das fünfte Rad am Wagen zu fühlen.. Im nachhinein war ich sogar ganz froh, daß die es erst so spät gebacken gekriegt haben. Es kann ganz schön gemein sein, dauernd ein knuschendes und kuschelndes Pärchen um einen rum zu haben, wenn die eigene Freundin ein paar tausend Kilometer entfernt ist..

Abschiedsfoto mit Luise (und Mao, den man leider nicht richtig sieht)
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In Chengdu hab ich die beiden erstmal im Hotelzimmer gelassen und mich um unsere Rückfahrtickets gekümmert. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, weil Wochen- und Ferienende war, keine Karten mehr für den nächsten Tag zu bekommen. Erstaunlicher Weise hab ich aber doch noch welche bekommen, sogar genau die, die wir haben wollten. Wir konnten so den gleichen Zug nehmen, nur das Tobi bis Shanghai durchfuhr während Katja und ich drei Stunden vorher in Nanjing ausstiegen.

Aber erstmal haben wir noch ein bißchen Chengdu erkundet. Chengdu ist die Hautpstadt der Provinz Sichuan. Diese liegt im Südwesten von China und ist durch ihre Abgelegenheit noch lange Zeit in weiten Teilen vom Einfluß den Westens verschont geblieben. Sie ist vor allem für ihre Berge (von denen wir ja einen gesehen haben), die bis zu den tibetanischen Hochländern reichen, den vielen Flüssen und das scharfe Essen bekannt. Leider hatten wir nicht die Zeit, mehr vom Landesinneren zu sehen, aber was nicht ist, kann ja

Der Fleischmarkt in Chengdu
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nochmal werden. Wenigstens war es in Chengdu wieder so warm wie gewohnt, das heißt man konnte die T-Shirts und FlipFlops wieder auspacken..

Ansonsten stellte sich Chengdu uns irgendwie relativ uninteressant da. Von vielen hoch gelobt, dadurch Ziel einiger Touristen und dementsprechend auch drauf eingestellt, schien sie uns nur einfach wie eine weitere chinesische Stadt; zum Glück aber eine der schöneren und grüneren Sorte. Wir haben dann, nachdem wir ein wenig ziellos durch die Stadt gelaufen waren, Luise wiedergetroffen. Die war ja schon seit zwei Tagen da und nahm den Zug am selben Abend. Nach diesem schnellen Abschied sind wir dann zurück ins Hotel. Das war übrigens wirklich toll, da es einen superschönen Innenhof hatte und sehr zentral, aber ruhig war. Luise hatte uns netter Weise ein Zimmer reserviert, so daß diesmal der Hotelsuchstress ausblieb. Dort haben einen ruhigen Videoabend gemacht (man konnte DVD-Player an der Rezeption leihen). Wir waren einfach noch zu fertig, irgendwie groß was zu unternehmen. Dafür kann ich jetzt Katja und Tobi damit ärgern, daß sie ihren ersten Abend zusammen gleich Fernsehguckend auf der Couch verbrachten.. :)

Freitag, 8. Oktober 2004


Der grandiose Innenhof von unserem Hotel
0420 Hotelinnenhof.jpg
Am nächsten Tag sind wird einfach ein bißchen in Chengdu rumgelaufen. Relativ antriebslos (und nach einem spätem, langem Frühstück) haben wir uns noch ein paar Sachen angesehen, die im Planet beschrieben waren. Irgendwie alles eher langweilig :(. Aber wir haben einen schönen Spaziergang am Fluß gemacht.. Danach sind wir nur noch schnell Verpflegung einkaufen gegangen und mußten dann schon zum Bahnhof.

Die Reise war ereignisloser als die Hinfahrt. Da die beiden sehr in sich selbst absorbiert waren, habe ich viel Lesen können und zwei sehr sentimentale Tage voller Gedanken an Christine und unsere Anfänge..

Für immer wiederkehrende Freude sorgte unser Provinz-Mafiosi (mit ihm und seiner Frau (?) teilten wir das Abteil). Er sprach ein so undeutliches Chinesisch, daß sogar der Essensverkäufer "ting bu dong" (nix verstehen) zu im sagte - was hab ich triumphiert, ich dachte schon ich war völlig unfähig! Seine Frau passte irgendwie zu ihm - "Die ist voll Porno die Alde! (Zitat Tobi). Tagsüber haben die meistens geschlafen, dafür in der Nacht sich gekloppt, gelacht, er hat sie geboxt oder sie im die Brust massiert (was erstaunliche Grunzlaute beim ihm auslößte).. Also genau die Art von Abteilgenossen, die man so haben will.

Unser Abteil (auf der Hinfahrt, also ohne den Mafiosi)
0105 Unser Abteil.jpg
Fast genauso toll, war der Lautsprecher. In chinesischen Zügen gibt es immer eine aktustische Untermalung, die aus Schnulzen (wenn man Glück hat), Werbung (schlimmer) oder Comedy (ohne Worte) besteht. In unserem Wagon gab es einen Lautsprecher. Ratet mal, wo der war? Genau vor unserem Abteil. Und nein, es gibt keine Türen und Trennwände zum Gang. Der war auchnoch oben an der Decke, so daß er genau in meiner Kopfhöhe war (ich hatte eines der oberen Betten. Wir haben es dann aber geschafft, den Lautsprecher mit dem Bettzeug des unbenutzten Bettes zu verstopfen (damit wir am nächsten Morgen nicht um sieben von dem Lärm geweckt werden). Naja, kurz vor schlafen gehen kam der Schaffner noch und hat verlangt, daß wir das Zeug zurück aufs Bett packen. Ade ausschlafen..

Samstag, 9. Oktober 2004


Der Schaffner bzw. das Zugpersonal war in diesem Zug super unfreundlich und schlecht gelaunt. Keine Ahnung, was die fürn Problem hatten, vielleicht waren es die Ferien. Man hat dem Zug deutlich angemerkt, daß er aus der Provinz (und nicht aus Shanghai, wie der davor) kam. Die Leute wirkten viel einfacher und scheuer.

Tobi und ich vorm 55 Jahre Volksrepublik Denkmal
0127 Tobi und Arne vorm Denkmal.jpg
Außer unser Mafiosi natürlich. Irgendwann sprang er mal, wärend wir am schlafen und lesen waren, im Bett auf, riss Katjas Buch an sich und fing an zu lesen. Er stellte dann nach erstaunlich schneller Zeit fest (ca. zwei Seiten) das es ein deutsches Buch war (nicht das er Englisch gekonnt hätte). Darauf hin hat er sich von Tobi ein bißchen Deutsch beibringen lassen. Seine Vokabelauswahl war sehr komisch, leider kann ich sie hier nicht wiedergeben. Naja, nachdem er zu seiner Frau "Du Hund! Geh raus. sagen konnte (und sich darüber diebisch freute) war er zufrieden und entliess den Armen Tobi aus seiner unfreiwilligen Lehrtätigkeit..

Wir hatten im Laufe des Tages den Lautsprecher mit einem recht wackeligen Turm aus Tobis und meinem Rucksack verstopft. Es kam wie es kommen musste und Tobis Rucksack segelte von der Gepäckablage. Reaktionsschnell wie ich nun mal bin (*lach*) konnte ich den gerade noch auffangen. Als ich den da so hielt (in einem Winkel, in dem erst Tobi aufstehen und mir helfen mußte) viel mir auf, das ich ja gerade vorher noch chinesischen Hustensaft getrunken hatte. Mit der Hand, die jetzt den Rucksack hielt und den Hustensaft darüber verteilte. Ich mußte ja kurz in der Stellung verharren, so daß ich fast meine halbe Flasche übers Tobis Rucksack entleerte. Chinesischer Hustensaft hat übrigens die Konsistenz und Farbe von Motoröl, ist aber klebrig wie Honig. So ne Scheisse! Hat mich sicher ne halbe Stunde gekostet, das Ding einigermaßen sauber zu kriegen. Wenigstens hab ich nicht den Mafiosi getroffen - den hatte ich schon am Tag vorher aus Versehen von oben mit 'ner Mandarine abgschossen.. :)

Sonntag, 10. Oktober 2004


Um zwei Uhr früh lief der Zug ein Nanjing ein. Viel Schlaf hatten wir nicht gehabt, Katja und ich schleppten uns mehr zum Taxi als das wir gingen. Wir beruhigend bekannt das alles war! Ist schon schön, wenn man einen Ort hat, zu dem man zurückkehren kann.. Glücklich und zufrieden kletterte ich die letzten Treppen dieser Reise, die im Wohnheim, empor und fiel ins Bett.

Es war eine wunderschöne Reise, super lustig, schön und erstaunlicher Weise von keiner Katastrophe geplagt. Vor allem die andern drei sind einfach Klasse gewesen, mit denen würde ich auch sonst wohin reisen, glaube ich..

Karte

Chongqing-Chengdu-Map

Ende

So, das war mein erster Reisebericht aus China. Ich hoffe er hat euch ein wenig gefallen und mein Deutsch war halbwegs verständlich. :) Wenn ihr Fragen oder Kommentare habt, einfach einloggen und schreiben!

Falls ihr die Fotos als .zip-Datei runterladen wollt:

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